Das Apfelblüten Problem

 

Die Entstehung dieses Problems für den Fotografen Rupert Rüdisühli wäre ein Roman für sich, der sich über rund 40 Jahre erstrecken würde. Die Kürzestversion lautet: es fiel ihm auf, dass die Darstellung von Apfelblüten (das Problem gilt auch für andere Blüten mit Pink drin) in Kunstwerken und Gebrauchsbildern aller Art mit drei miteinander verlinkten Problemen zu kämpfen hat.

 

Blütenweiss, Pink und Adern

 

Blütenweiss obwohl Blütenweiss, wirkt, obwohl es so blütenweiss ist, wie es ist, für viele Betrachter irgendwie kitschig, weil es sie an Waschmittelreklame und heile Welt  erinnert. Sachlich betrachtet kann nichts in der Natur kitschig sein, weil sie so ist, wie sie ist. Ein genaues Abbild der Natur kann also nicht kitschig sein. Alles ist jedoch Interpretation. Aber eine Interpretation könnte zufällig der Realität entsprechen. So oder so, das Blütenweiss-Problem bleibt und zwar darum, weil  Blütenweiss nicht einfach weiss, sondern je nach Umgebungslicht, Betrachtungswinkel, Hintergrund, Wetter etc. nuanciert und strukturiert weiss ist. Insgesamt die gleiche Problemkonstellation wie für das Blütenweiss gilt für das Blütenrosa: vom Pink Panther bis zur Barbie Puppe gibt es kommerzielle rosa Welten. Die Wahrnehmung von Pink reicht von Enthusiasmus bis Nasenrümpfen und steht einer vorbehaltlos ästhetischen Würdigung von Apfelblüten im Wege. Wie das Blütenweiss ist das Blütenpink nicht einfach ein statisches Uniweiss bzw. Unipink, sondern ein lebendiges Pink, weil die Blüte lebt und sich die Umgebung ständig ändert. Die Adern sind eine Herausforderung spezieller Art: eine scharfe Nahaufnahme einer Apfelblüte zeichnet auch deutlich die Adern in den Blütenblättern. Diese Adern tendieren dazu die Blüte zu banalisieren, indem sie den Betrachter von der Wirkung der Farben ablenkt. Aquarellmaler lösen dieses Problem elegant, indem sie die Adern einfach weglassen und versuchen, die Farben herauszuarbeiten. Für den Fotografen ist das nicht so einfach. Die Kunst besteht darin, bezüglich der Farben und der Blüte (Organismus im Raum) möglichst nah an der Natur zu bleiben, ohne diese zu verfremden. Oder vielleicht umgekehrt durch Verfremdung zurück zur Natur zu kommen. Fortsetzung folgt.