Herausgegeben wurden die "Alpenrosen" von zwei Bernern, Gottlieb Jakob Kuhn und Johann Rudolf Wyss, und dem Deutschen Ludwig Meisner. Über letzteren ist wenig bekannt, dafür umso mehr über Kuhn und Wyss. Kuhn war Pfarrer und Volksliederdichter und verfasste u.a. das Lied "Der Gemsjäger". Wyss publizierte auch das von seinem Vater verfasste Buch „Der schweizerische Robinson oder der schiffbrüchige Schweizer-Prediger und seine Familie. Ein lehrreiches Buch für Kinder und Kinderfreunde zu Stadt und Land“ (1812/1813)". Das Gedicht von Jakob Schnerr lieferte 1824 die Inspiration für die Alpenrosen Titelseite - damals genannt "Titelkupfer".

 

 

                    Der Gemsenjäger

 

Hoch am Felsenhange
sitzt, des Jagens satt,
Nach so heissem Gange,
Jäger müd‘ und matt.

 

„Tag, willst schon dich neigen? –
„Dunkelst ja zumal! –
„Muss noch niedersteigen
„Heut in’s tiefe Thal.“ –

 

„Jagte seit dem Morgen,
„Trug doch nichts davon.
„Will das Glück nicht sorgen,
„Hin ist Jägers Lohn.“ –

 

Abendglocken hallen,
Kühler weht die Luft,
Graue Nebel wallen
Auf von dunkler Kluft.

 

Jäger, nicht zu lange
Pflege hier der Ruh:
Wird den Deinen bange:
Fleuch dem Thale zu.

 

Auf dem Nebel munter
Schweben Elfen fein,
Winken ihm hinunter
Zu der Schwestern Reih’n. –

 

Jäger, lass dich mahnen,
Wende deinen Blick!
Zieht kein banges Ahnen
Dich vom Rand zurück? –

 

Doch er mag dem Winken
Nimmer widersteh’n;
Thät in Tiefen sinken,
Die kein Aug‘ gesehn.

 

Jakob Schnerr