Blumenstrauss

 

„Das kann doch jeder!“ Kunst kommt von Können und für eine solche Aufnahme muss man nichts können. Die Digitalkamera erledigt ja die Arbeit, man braucht nichts zu tun ausser den Auslöser zu betätigen. „Foto“ kommt vom griechischen Wort für Licht, „-grafie“ hat ebenfalls einen griechischen Ursprung und kommt von „zeichnen“. Ein Fotograf ist also jemand, der mit Licht zeichnet oder gestaltet – ein Künstler im

weitesten Sinne. Dieses Tagpfauenauge jedoch ist geknipst, der Fotograf ist

also kein Künstler, sondern ein Knipser. Woran man das erkennt? Eigentlich an

nichts. Und noch etwas kommt hinzu: Die Illustrationen von Maria Sibylla Merian (1647 – 1717), die wissenschaftlichen Zeichnungen von Vladimir Nabokov (1899-1977) oder die Fotos und Aquarelle von Jean-Claude Gerber (Autor des einzigartigen Buches „Les papillons du Jura“) sind zweifellos unendlich viel spannender als die Schmetterlingsmotive von RR. Und trotzdem hat gerade dieses Tagpfauenauge, was andere fotografierte Tagpfauenaugen und Schmetterlinge nicht haben: keine Ambition über das Offensichtliche hinaus. Dieses farbenfrohe Motiv eignet sich speziell für „Gute Besserung“. Warum das? Stellt man die Karte in einer gewissen Distanz vom Krankenbett auf (Kommode, Fensterbrett, Ablagefläche etc.), so sind keine Details, sondern nur noch Farben erkennbar und man glaubt, einen kleinen, bunten, fröhlichen Blumenstrauss zu sehen. So kann man sich entweder aus der Nähe am Schmetterling erfreuen oder aus der Ferne am Blumensträusschen – ohne dieses giessen zu müssen. Deshalb liefern wir dieses Motiv nicht in die

USA, weil wir dort noch speziell den Hinweis „Bitte nicht giessen“ auf die Karte drucken müssten.