Vanessa atalanta

 

Der klangvolle wissenschaftliche Name des Admirals strahlt eine schon fast hypnotische Kraft aus. Atmen Sie einmal gut durch und sprechen Sie „Vanessa atalanta“ langsam aus, sofort spüren Sie das mantrische Potenzial. Abgesehen davon: was für ein prächtiger und interessanter Schmetterling und was für eine merkwürdige, verblüffende und verästelte Namensgebung. Der Name „Vanessa“ ist eine Erfindung des irisch-englischen Schriftstellers Jonathan Swift (1667 – 1745), Verfasser u. a. von„Gullivers Reisen“. Der Name setzt sich aus „Van“ und „essa“ zusammen und bezieht sich auf Esther Vanhomrigh (1690 – 1723). Wie genau, was genau und wann genau, das wissen wir nicht so genau und wollen es auch nicht so genau wissen. Sicher aber war da was mit Jonathan und Esther, woraus sich ergibt: „Van“ ist der erste Teil des Familiennamens und „Esse“ oder „Essa“ der Kosename von Esther. In der Öffentlichkeit bekannt wurde der Name „Vanessa“ durch das Gedicht „Cadenus and Vanessa“, das die Geschichte von Esther und Jonathan in Gedichtform zum Inhalt hat. Dort finden sich die zwei folgenden Zeilen:

 

When lo! Vanessa

in her bloom

Advanc’d, like Atalanta’s star,

 

So weit, so gut. Aber wie kam der Schmetterling Vanessa atalanta, der zum Zeitpunkt, als das Gedicht erschien (1726),

noch nicht benannt war, zu seinem Namen? Klar scheint, dass der Naturforscher Carl von Linné (1707 – 1778) als Erster diesen Schmetterling beschrieb. Namensgeber für die Gattung „Vanessa“ ist wahrscheinlich Johann Christian Fabricius (1745 – 1808), der als ein Begründer der modernen Entomologie gilt. Wer auch immer auf den Namen verfiel, es stellt sich die Frage, warum der Gattungsname

ausgerechnet „Vanessa“ sein sollte. Atalanta ist dagegen einigermassen nachvollziehbar. Nach einer alten griechischen Schauergeschichte trug sich in etwa Folgendes zu: Die jungfräuliche Jägerin Atalanta gelobte, sich nie zu vermählen, es sei denn, der zukünftige Gatte würde sie im Laufwettstreit besiegen. Allerdings war Atalanta unübertroffen schnell und nur eine List konnte zum Ziel führen. Der Freier Hippomenes schaffte es mithilfe der Liebesgöttin Aphrodite, drei goldene Äpfel in Atalantas Weg zu legen. Und prompt bückte sich Atalanta danach, so dass Hippomenes das Rennen und Atalantas Herz gewann. Unter den Schmetterlingen ist Vanessa atalanta zwar schnell, aber bei Weitem nicht der Schnellste, wie Atalanta es war. In „Vanessa atalanta“, so viel ist zumindest sicher, sind zwei Liebesgeschichten verpackt: die eine ohne und die andere mit glücklichem Ausgang. nUnd weil aller guten Dinge drei sind, muss hier noch der Schriftsteller und Schmetterlingskundler Vladimir Nabokov (1899 – 1977), Autor von „Lolita“, erwähnt werden. Eines seiner Lebensthemen waren Schmetterlinge und Vanessa atalanta schien es ihm speziell angetan zu haben. Vielleicht hatte das damit zu tun, dass Vanessas Jonathan 23 Jahre älter war als sie und im Gedicht „Cadenus und Vanessa“ das Wort „Nymphen“ auffallend häufig gebraucht wird. Nabokov bezeichnet Lolita als Angehörige der Nymphalidae-Familie (Edelfalter, „a member of the Nymphalidae family“). Die deutsche „Nymphe“ wie die englische „nymph“ sind vieldeutig und können sowohl Braut, Jungfrau als auch weibliche Naturgottheit oder Insektenlarve bedeuten. Nabokov selbst nennt noch einen anderen Umstand. Im Jahr 1881 sei Vanessa atalanta in Nordrussland besonders häufig vorgekommen und als „Schmetterling des Unheils“ bezeichnet worden, weil in diesem Jahr Zar Alexander II. ermordet wurde. Damit ist die Verwirrung bezüglich des wissenschaftlichen Namens „Vanessa atalanta“ zwar nicht geklärt, das Thema scheint sich aber doch auf einer höheren Ebene zu bewegen. Bleibt noch die Frage: warum dieses Bild, warum ein zerzauster Admiral? Der Admiral – eben Vanessa atalanta – ist ein Wanderfalter und fliegt vom Süden in den Norden (zumindest tat er das vor der Klimaerwärmung) und auch dort flugwandert er gewaltige Strecken – eben bis nach Nordrussland. Eine unglaubliche Leistung für ein so zartes und fragiles Geschöpf. Und unglaublich gefährlich. Die Aufnahme von RR ist nach unserem Wissen absolut einmalig, eine echte Sensation: sie zeigt einen vom Blitz getroffenen Admiral! Diese Eichelmändliland-Karte ist nicht meditationslastig, sondern konversationsfördernd und eignet sich für alle Arten von Grüssen oder Mitteilungen speziell an Empfänger, die Vanessa, Esther, Jonathan, Carl, Johann, Vladimir oder Lolita heissen. Ah, und warum Admiral? Wie kommt die Marine hier ins Spiel? Die Antwort: gar nicht. Der deutsche Name lehnt sich vermutlich ans Englische an. Aus „the red admirable“, weil allzu zungenbrecherisch, wurde „the red admiral“ und daraus deutsch „Admiral“, also „der Bewundernswerte“. Stimmig.